Kanada & das CNF

Kosmetik auf Etsy oder Shopify verkaufen: Ihre CNF-Pflicht

Der Verkauf von handgemachter Kosmetik über Etsy oder den eigenen Shopify-Shop nach Kanada bringt dieselbe CNF-Pflicht mit sich wie ein Ladenregal, und die 10-Tage-Frist beginnt mit dem ersten Verkauf.

Cosmetic Comply Team3 Min. Lesezeit

Unter kleinen Verkäufern hält sich eine verbreitete Annahme: Wer nur einen Etsy-Shop aus der eigenen Küche betreibt, den treffen die Regeln für große Kosmetikmarken doch sicher nicht. Sie treffen ihn doch. Die Cosmetic Regulations von Health Canada machen keine Ausnahme für Online-Verkäufer, Marktplatzverkäufer oder Kleinserien-Betriebe, und die Pflicht zum Cosmetic Notification Form folgt dem Produkt, nicht der Größe des Schaufensters.

Der Verkauf ist der Auslöser, nicht das Schaufenster

Ob über einen Marktstand, einen selbst gebauten Shopify-Shop oder ein Etsy-Listing verkauft wird: Der Auslöser für die Einreichung eines CNF ist immer derselbe, der erste Verkauf des Kosmetikums in Kanada. Die Meldung ist innerhalb von 10 Tagen nach diesem ersten Verkauf fällig. Es spielt keine Rolle, ob die Käuferin über einen Marktplatz-Algorithmus oder über Instagram gefunden hat. Es spielt keine Rolle, ob fünf Einheiten im Monat oder fünfhundert produziert werden. Kann eine kanadische Kundschaft die Seife, Lotion oder den Lippenbalsam kaufen, ist dieselbe Meldepflicht ausgelöst wie bei einer Regalmarke in der Apotheke.

Das überrascht speziell viele Etsy-Verkäufer, weil Etsys eigene Nutzungsbedingungen die Compliance-Verantwortung beim Verkäufer verorten, nicht bei Etsy. Die Plattform reicht nichts im eigenen Namen ein, und sie hat auch keinen Mechanismus, der das überhaupt ermöglichen würde.

Warum Marktplatzverkäufer häufiger übersehen werden

Ein paar Gründe, warum das Menschen mit einem Online-Shop eher entgeht als solchen mit direkter Handelsbeziehung:

  • Kein Einzelhändler, der nach Unterlagen fragt. Eine lokale Ladeninhaberin, die die Seife ins Sortiment aufnimmt, fragt vielleicht nach, ob gemeldet wurde, bevor sie sie annimmt. Eine anonyme Etsy-Kundin fragt das nie.
  • Die Annahme, geringes Volumen bedeute geringes Risiko. Die Meldepflicht ist nicht an das Verkaufsvolumen gekoppelt. Ein einziger Verkauf reicht als Auslöser.
  • US- und kanadische Regeln vermischen. MoCRA in den USA sieht für manche Verkäufer Ausnahmen von der Betriebsregistrierung und der Produktauflistung für Kleinunternehmen vor. Das kanadische CNF-System kennt keine vergleichbare volumenabhängige Ausnahme, sodass eine an US-Schwellenwerten orientierte Gewohnheit nördlich der Grenze angreifbar macht.
  • Die Annahme, „handgemacht" ändere die Kategorie. Eine handgemachte Lotion ist weiterhin ein Kosmetikum. Eine handgemachte Seife mit einer feuchtigkeitsspendenden oder kosmetischen Aussage ist ebenfalls weiterhin ein Kosmetikum. Nur echte Seife, ein Alkalisalz einer Fettsäure, die rein mit einer Reinigungsaussage verkauft wird, steht in manchen Zusammenhängen außerhalb der üblichen kosmetischen Meldepflicht, und das ist eine schmale Spur, keine allgemeine Ausnahme für Handgemachtes.

Praktische Schritte für einen Online-Shop

  1. Prüfen, ob die Versandeinstellungen oder Shop-Richtlinien Bestellungen an kanadische Adressen tatsächlich zulassen. Falls ja, jede Produktvariante, die eine kanadische Kundschaft kaufen könnte, so behandeln, dass vor oder kurz nach diesem ersten Verkauf ein CNF benötigt wird.
  2. Nach Möglichkeit vor dem ersten bestätigten kanadischen Verkauf melden, denn das 10-Tage-Fenster ist großzügig, aber nicht unendlich, und es ist einfacher, bereits gemeldet zu haben, als nach einer Bestellbenachrichtigung dem Zeitplan hinterherzujagen.
  3. CN-Nummern pro Produkt geordnet halten, genauso wie eine Rechnung oder einen Lieferantenkontakt, weil sie gebraucht werden, sobald sich eine Rezeptur ändert oder eine Zoll- oder Regulierungsfrage auftaucht.
  4. Die zweisprachige Kennzeichnung für jedes nach Kanada versandte Produkt aktualisieren. Englische und französische Kennzeichnung ist eine eigene Anforderung neben dem CNF selbst, und Etsy-Listing-Fotos mit rein englischer Kennzeichnung lohnt es sich zu überarbeiten, wenn Kanada ein echter Teil der Kundschaft ist.

Wie sich das in der Praxis zeigt

Eine Seifenherstellerin in Oregon, die über Shopify verkauft und deren Checkout für kanadische Versandadressen offen ist, machte ihren ersten Verkauf an eine Kundin in Ontario. Dieser Verkauf setzte die 10-Tage-Frist genauso in Gang, als wäre sie mit einer Großhandelsbestellung in eine Boutique in Toronto gegangen. Das Produkt selbst änderte sich nicht. Entscheidend war die Adresse der Käuferin.

Wer mehrere Produkte über einen Online-Shop führt und herausfinden möchte, welche davon tatsächlich gemeldet werden müssen und bei welchen sich der Versand nach Kanada vorerst zurückstellen lässt: Cosmetic Comply erlaubt die Meldung pro Produkt und die Wiederverwendung einer früheren Meldung bei einer kleinen Variante, etwa einem neuen Duft in einer bestehenden Lotionsbasis, statt die gesamte Zutatenprüfung wieder bei null zu beginnen.

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