Inhaltsstoff-Leitfäden

Milchsäure: eine AHA, die auch ein Feuchthaltemittel ist

Milchsäure peelt als AHA und zieht als Feuchthaltemittel Feuchtigkeit an. So wirken sich diese beiden Funktionen und die CAS-Nummer 50-21-5 auf eine Meldung aus.

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Die meisten Alpha-Hydroxysäuren werden unter einer einzigen Funktion geführt: Peeling. Milchsäure lässt sich nie so einfach einordnen. Sie peelt zwar, verhält sich aber gleichzeitig wie ein Feuchthaltemittel: Sie zieht Wasser an und hält es an der Haut, ähnlich wie Glycerin. Genau diese Doppelfunktion erklärt, warum sie in allem vorkommt, von Resurfacing-Seren bis hin zu schlichten Feuchtigkeitscremes, die als mild beworben werden.

Was Milchsäure wirklich bewirkt

Auf molekularer Ebene ist Milchsäure eine kleine Alpha-Hydroxysäure: Die Säuregruppe sitzt direkt neben einem Kohlenstoffatom, an dem eine Hydroxylgruppe hängt. Genau diese Struktur ermöglicht es AHAs, die Bindungen zwischen abgestorbenen Hautzellen an der Oberfläche zu lockern und so deren Abschuppung zu fördern. Glykolsäure tut im Prinzip dasselbe, allerdings mit einem kleineren Molekül, weshalb sie schneller eindringt und auf der Haut schärfer wirken kann.

Die etwas größere Molekülgröße der Milchsäure bremst ihr Eindringen leicht, weshalb Formulierer sie gerne einsetzen, wenn sie ein Peeling ohne allzu viel Brennen wünschen. Die feuchtigkeitsbindende Wirkung ist dagegen ein völlig eigenständiger Mechanismus. Milchsäure ist hygroskopisch: Sie zieht Feuchtigkeit aus der Luft an und hält sie fest, ähnlich wie Natriumlactat (ihre Salzform), das in manchen Formulierungen rein als Feuchthaltemittel eingesetzt wird, ganz ohne Peeling-Absicht.

Man erhält also zwei Funktionen aus einem einzigen INCI-Eintrag: AHA-Peeling und Feuchthaltemittel, beide real, beide dosisabhängig, und beide wichtig zu kennen, wenn es darum geht, wie ein Produkt beschrieben werden soll.

INCI, CAS-Nummer und Herkunft

Detail Wert
INCI-Name Lactic Acid
CAS-Nummer 50-21-5
Typische Funktion AHA-Peeling, Feuchthaltemittel, pH-Regulator
Übliche Herkunft Fermentation von Zucker oder synthetisch
Typische Einsatzmenge Variiert stark je nach Produkttyp und gewünschter Wirkung

Milchsäure kann aus der bakteriellen Fermentation von Zucker stammen, worauf viele Aussagen wie natürlichen Ursprungs beruhen, oder synthetisch hergestellt werden. Beide Wege führen zum gleichen INCI-Namen und zur gleichen CAS-Nummer. Wer die Meldung prüft, sieht nirgendwo das Wort fermentiert. Er sieht Lactic Acid, mehr nicht.

Wo die Konzentrationsgrenze wichtig wird

Das wird von Herstellern oft unterschätzt. Milchsäure wird, wie andere AHAs auch, je nach Konzentration und Werbeaussage regulatorisch unterschiedlich behandelt. Eine kleine Menge, die nur den pH-Wert leicht anpasst, ist regulatorisch etwas ganz anderes als ein Prozentsatz, der hoch genug ist, um die Haut aktiv zu erneuern. Da die genauen Konzentrationsgrenzen und etwaige Kennzeichnungspflichten für AHA-Gehalt marktspezifisch sind und immer wieder überarbeitet werden, sollte man keine Zahl aus einem alten Formulierungsleitfaden als gegeben hinnehmen. Vor der Festlegung eines Prozentsatzes in einer Formulierung sollte immer die aktuelle Vorschrift des Zielmarkts geprüft werden.

Eine häufige Verwechslung: Eine Lieferantenmischung, die als 10%ige Milchsäurelösung ausgewiesen ist, bedeutet nicht, dass das fertige Produkt 10 % Milchsäure enthält. Wird diese Mischung mit 5 % der Formulierung zugesetzt, liegt die tatsächliche Milchsäurekonzentration im fertigen Produkt bei 0,5 %. Diese Rechnung muss in der Meldung ankommen, nicht nur im Laborbuch stehen bleiben.

Warum die Doppelfunktion bei der Kennzeichnung zu Fehlern führt

Weil Milchsäure zwei Dinge gleichzeitig tut, beschreiben Hersteller sie innerhalb einer Produktlinie manchmal uneinheitlich. Ein Artikel wird als feuchtigkeitsspendend beworben, ein anderer als sanftes Peeling, obwohl die Zutatenliste bei beiden identisch aussieht. Das ist nicht automatisch ein Problem, bedeutet aber, dass die Sicherheitsbewertung und jede Werbeaussage zu dem passen sollten, was das Produkt bei der tatsächlich verwendeten Konzentration wirklich leistet, und nicht nur zu dem, wozu der Inhaltsstoff isoliert bei einer viel höheren Dosis fähig wäre.

Wer aus demselben Milchsäure-Rohstoff sowohl eine Resurfacing-Linie als auch eine beruhigende Linie aufbaut, sollte intern klar dokumentieren, welche Konzentration welche Werbeaussage auslöst. Das erspart später viel Verwirrung, wenn jemand fragt, warum zwei Produkte mit derselben Säure so unterschiedlich beworben werden.

Eine praktische Checkliste vor der Meldung

  • Prüfen, ob die Milchsäure als reiner Rohstoff vorliegt oder bereits vorverdünnt in einer Lieferantenmischung ankommt, und die tatsächliche Konzentration ausrechnen.
  • Festlegen, auf welche Funktion sich die Werbeaussagen stützen, Peeling oder Feuchthaltemittel, und sicherstellen, dass die Sicherheitsunterlagen diese Verwendung stützen.
  • Vor der endgültigen Festlegung des Prozentsatzes prüfen, ob der Zielmarkt eine spezifische Konzentrationsgrenze oder Kennzeichnungspflicht für AHA-Gehalt vorsieht.
  • Die CAS-Nummer 50-21-5 fest mit dem Rohstoffdatensatz verknüpfen, damit keine Verwechslung zwischen Milchsäure und ihrer Salzform Natriumlactat entsteht.

Milchsäure ist ein gutes Beispiel dafür, warum INCI-Namen mehr Gewicht haben als Marketingsprache. Der Name sagt der Prüfstelle, um welches Molekül es sich handelt. Er sagt ihr nicht, welche Aufgabe der Stoff in der Formulierung übernehmen soll, weshalb Dokumentation, Konzentration und Werbeaussage zusammenpassen müssen. Der Ingredient-Abgleich von Cosmetic Comply führt Prozentsätze aus Lieferantenmischungen automatisch weiter, genau die Art von Rechnung, die sich von Hand leicht vertun lässt, wenn ein Inhaltsstoff wie hier eine Doppelrolle spielt.

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