Kennzeichnung & Werbeaussagen

Was eine Bio-Aussage auf kosmetischer Verpackung voraussetzt

Bio auf ein Kosmetiketikett zu schreiben ist eine Aussage, die untermauert werden muss, kein Werbewort, zu dem man greifen kann, sobald ein paar Zutaten dafür qualifizieren.

Cosmetic Comply Team4 Min. Lesezeit

Jemand schreibt "Bio" auf ein Kerzenetikett, ein Shampoo-Etikett und eine Tüte Kaffee, und es scheint je nach Regal drei verschiedene Dinge zu bedeuten. Speziell bei Kosmetik ist "Bio" eine Aussage, hinter der man stehen können muss, und der Maßstab, an dem sie tatsächlich gemessen wird, ist meist der Anforderungskatalog einer Zertifizierungsstelle, nicht ein vages Gefühl, das Produkt enthalte irgendwie natürlich klingende Zutaten.

Warum "Bio" kein frei verfügbares Wort ist

Eine Aussage auf einem Etikett ist ein Versprechen. Stellt eine Regulierungsbehörde, ein Wettbewerber oder ein Kunde eine "Bio"-Aussage infrage, wird erwartet, dass man auf etwas Konkretes verweisen kann, typischerweise eine Zertifizierung einer anerkannten Bio-Zertifizierungsstelle, oder zumindest eine klare, ehrliche und nicht irreführende Erklärung, welcher Anteil des Produkts nach welchem Standard tatsächlich Bio ist. Das Wort locker zu verwenden, weil ein paar botanische Inhaltsstoffe biologisch angebaut sind, während der Großteil der Formel (Konservierungsmittel, Emulgatoren, Duftstoff) konventionell ist, ist genau die Art Lücke, die Marken in Schwierigkeiten bringt.

Der Unterschied zwischen "enthält Bio-Inhaltsstoffe" und "ist ein Bio-Produkt"

Das ist die eine Unterscheidung, die sich am meisten lohnt zu verinnerlichen:

  • "Enthält Bio-[Inhaltsstoff]" ist eine engere, besser vertretbare Aussage. Wenn das Bio-Hagebuttenöl tatsächlich zertifiziert biologisch ist und man es korrekt als einen von vielen Inhaltsstoffen beschreibt, ist das eine Aussage über eine Komponente, nicht über das ganze Produkt.
  • "Bio-[Produktname]" als eigenständige Produktaussage suggeriert, dass die gesamte Formulierung einem Bio-Standard entspricht, meist einem Mindestanteil an Bio-Inhalt gemäß dem Standard der jeweils herangezogenen Zertifizierungsstelle. Das ist eine deutlich höhere Hürde und erfordert normalerweise eine tatsächliche Drittzertifizierung, um sie glaubwürdig zu untermauern.

Diese beiden zu vermischen ist der Ausgangspunkt der meisten Probleme mit Bio-Aussagen. Ein Produkt mit drei Bio-Inhaltsstoffen von zwanzig ist nicht dieselbe Aussage wie ein zertifiziertes Bio-Produkt, auch wenn beide irgendwo auf dem Etikett das Wort "Bio" verwenden.

Was eine Zertifizierung tatsächlich prüft

Bio-Zertifizierungsstellen für Kosmetik betrachten in der Regel eine Kombination aus:

  1. Anteil an Bio-Inhalt in der fertigen Formulierung, oft mit getrennten Schwellenwerten für den wasserfreien Anteil des Produkts gegenüber dem Gesamtanteil, da Wasser selbst nicht biologisch sein kann.
  2. Herkunfts- und Rückverfolgbarkeitsdokumentation für jeden als Bio deklarierten Inhaltsstoff, zurückverfolgt bis zu zertifizierten Bio-Betrieben oder -Lieferanten.
  3. Verarbeitungsmethoden, da manche Standards einschränken, wie ein biologischer Rohstoff verarbeitet werden darf und dabei seinen Bio-Status als Extrakt oder Derivat behält.
  4. Was komplett ausgeschlossen ist. Die meisten Bio-Kosmetikstandards verbieten bestimmte Klassen synthetischer Inhaltsstoffe grundsätzlich, unabhängig davon, welchen Anteil der Formel sie ausmachen.

Die Zertifizierungsanforderungen unterscheiden sich spürbar zwischen Zertifizierungsstellen und zwischen Ländern. Wer eine Zertifizierung anstrebt, sollte deshalb direkt vom aktuellen veröffentlichten Standard der gewählten Stelle ausgehen, statt anzunehmen, ein Bio-Standard gleiche dem anderen.

Eine praktische Entscheidungstabelle

Situation Vertretbare Aussage Zu vermeidende Aussage
Ein paar zertifiziert-biologische botanische Inhaltsstoffe, Rest konventionell "Mit Bio-[Inhaltsstoffname]" "Bio-[Produkt]" als eigenständiger Produktname
Gesamte Formel von anerkannter Bio-Stelle zertifiziert "Zertifiziert biologisch" mit Nennung der Zertifizierungsstelle Vages "Bio" ohne Verweis auf eine Zertifizierungsstelle
Inhaltsstoffe sind natürlich, aber nicht bio-zertifiziert "Natürlich" (falls zutreffend) "Bio", was suggeriert, Zertifizierungsstandards seien erfüllt

Die Aussage muss einer Prüfung standhalten, nicht nur gut klingen

Würde die Bio-Aussage morgen infrage gestellt, ob von einer Regulierungsbehörde, der Rechtsabteilung eines Händlers oder einem Kunden, der per E-Mail nach der gehaltenen Zertifizierung fragt, sollte man eine klare, sofortige Antwort haben. Lautet die ehrliche Antwort "wir haben keine formelle Zertifizierung, aber manche Inhaltsstoffe stammen aus biologischem Anbau", ist das in Ordnung, solange genau das auf dem Etikett steht, nicht etwas Stärkeres.

Das steht neben der Zutatenanmeldung, nicht an deren Stelle

Eine Bio-Aussage ändert nichts an der Pflicht, eine ordnungsgemäße kosmetische Meldung mit korrekten INCI-Namen und Konzentrationen einzureichen. Sie ist eine zusätzliche Ebene der Untermauerung von Werbeaussagen, die auf der eigentlichen regulatorischen Anmeldung aufsetzt, und es lohnt sich, die beiden Prozesse gedanklich getrennt zu halten: Der eine lautet "ist diese Zutatenliste korrekt und konform", der andere "kann ich diese Werbeaussage belegen". Cosmetic Comply übernimmt den ersten Teil direkt, ordnet Zutaten INCI-Namen und CAS-Nummern zu und prüft sie vor der Anmeldung gegen die verbotenen und eingeschränkten Listen. Das Gespräch über die Bio-Zertifizierung ist ein eigenes Thema, das man direkt mit einer Zertifizierungsstelle führen sollte, aber eine saubere Zutatendokumentation macht dieses Gespräch deutlich leichter.

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