Lieferanten & SDS

Den INCI-Namen aus Lieferantendokumenten herausfinden

Wo INCI-Namen im SDS, im TDS und im Spezifikationsblatt versteckt sind, und was zu tun ist, wenn der Lieferant nur einen Handelsnamen nennt.

Diane R.3 Min. Lesezeit

Jeder Rohstoff, den man kauft, taucht auf der Rechnung unter einem Handelsnamen auf und auf der Meldung unter einem völlig anderen Namen. "Cosmowax J" verrät nichts darüber, was im CNF stehen soll. Wo findet man also tatsächlich den INCI-Namen, und warum widersprechen sich manchmal drei verschiedene Lieferantendokumente?

Beginne mit dem SDS, aber lies den richtigen Abschnitt

Ein Sicherheitsdatenblatt (SDS) hat nach Standardformat 16 Abschnitte, und Abschnitt 3 (Zusammensetzung und Angaben zu Bestandteilen) ist der Punkt, an dem man zuerst nachsehen sollte. Hier soll der Lieferant die chemische Identität gefährlicher Bestandteile auflisten, teils mit CAS-Nummern. Der Haken: Abschnitt 3 des SDS ist auf Gefahrenkommunikation ausgelegt, nicht auf Kosmetikkennzeichnung, und listet daher möglicherweise nur Bestandteile oberhalb eines bestimmten Gefahrenschwellenwerts auf. Ein völlig unbedenklicher Inhaltsstoff in geringer Konzentration taucht dort unter Umständen gar nicht auf.

Das technische Datenblatt liefert meist das vollständige Bild

Das TDS (technisches Datenblatt) ist dort, wo Lieferanten in der Regel die vollständige INCI-Deklaration angeben, besonders bei Mischungen. Wer ein Konservierungssystem oder eine Emulgatormischung kauft, findet im TDS meist die beste Quelle für die vollständige Liste der INCI-Namen, aus denen sich das Produkt zusammensetzt, oft zusammen mit dem Prozentsatz oder der Prozentspanne jedes Bestandteils. Das ist genau die Information, die man braucht, um eine Mischung in ihre echten Bestandteile aufzuschlüsseln und die tatsächlichen Konzentrationen im Fertigprodukt zu berechnen.

Das Spezifikationsblatt füllt die Lücken

Ein Analysenzertifikat oder Spezifikationsblatt enthält nicht immer INCI-Namen, oft aber die CAS-Nummer, mit der sich ein Abgleich vornehmen lässt. Gibt ein Lieferant eine CAS-Nummer ohne INCI-Namen an, oder einen INCI-Namen ohne CAS-Nummer, lässt sich die Übereinstimmung in der Regel über den jeweils anderen Wert bestätigen, da beide auf dieselbe zugrunde liegende Substanz verweisen.

Eine schnelle Übersicht, wonach man suchen sollte:

Dokument Enthält meist Fehlt oft
SDS CAS-Nummer, Gefahreneinstufung, Zusammensetzung nach Abschnitt 3 Vollständige INCI-Liste bei Bestandteilen mit geringem Gefahrenpotenzial
TDS Vollständige INCI-Aufschlüsselung, Blend-Bestandteile, Einsatzmengen Manchmal keine CAS-Nummer
Spezifikationsblatt / CoA CAS-Nummer, Reinheit, physikalische Spezifikationen INCI-Name fehlt häufig

Wenn der Lieferant nur einen Handelsnamen nennt

Das kommt häufiger bei kleineren oder ausländischen Lieferanten vor, besonders bei Duftölen und Spezialextrakten. Ein paar Dinge, die man der Reihe nach versuchen sollte:

  1. Direkt nachfragen. Die meisten Lieferanten stellen auf Anfrage eine INCI-Erklärung bereit, auch wenn sie nicht in den Standardunterlagen steht; das kostet sie nichts und ist eine normale Bitte.
  2. Den Handelsnamen zusammen mit dem Namen des Herstellers suchen. Viele Handelsnamen sind vom Lieferanten selbst öffentlich registriert und dokumentiert.
  3. Gezielt das SDS anfordern, denn ein Lieferant, der mit dem TDS langsam ist, hat oft trotzdem ein SDS vorliegen, und Abschnitt 3 reicht möglicherweise schon aus, um weiterzuarbeiten.
  4. Bei einer Duftmischung zusätzlich zur INCI-Erklärung die Allergendeklaration anfordern. Die wird ohnehin für die verpflichtenden Allergen-Offenlegungslisten benötigt, die im Lauf von 2026 eingeführt werden.

Nie einen INCI-Namen von einem Handelsnamen ableiten, nur weil er ähnlich klingt wie etwas Bekanntes. Die Benennung von Kosmetikinhaltsstoffen ist genau deshalb standardisiert, damit "klingt wie" kein Ersatz für einen dokumentierten Abgleich ist, und ein falscher INCI-Name in einer Meldung ist schlimmer als eine verzögerte Meldung.

Pflanzliche Extrakte sind ein eigenes Rätsel

Manche pflanzlichen Extrakte haben tatsächlich keine CAS-Nummer, da CAS-Nummern definierten chemischen Substanzen zugeordnet werden und ein Ganzpflanzenextrakt ein komplexes Gemisch ohne eine feste Struktur sein kann. In diesem Fall ist der INCI-Name selbst (etwa eine lateinische Bezeichnung plus "Leaf Extract" oder "Root Extract") das, was für die Meldung verwendet wird, und man sollte keine CAS-Nummer erwarten oder danach suchen, die möglicherweise gar nicht existiert.

Eine laufende Datei pro Lieferant führen

Sobald ein INCI-Name und eine CAS-Nummer für einen Rohstoff ermittelt wurden, sollte man sie speichern. Lieferanten formulieren Mischungen gelegentlich um, ohne das Handelsprodukt umzubenennen, daher lohnt es sich, die INCI-Aufschlüsselung bei jeder neuen Charge erneut zu bestätigen, nicht nur bei der ersten Bestellung.

Wer sich durch eine lange Inhaltsstoffliste arbeitet und dieses Dokument nicht Stück für Stück durchforsten möchte: Cosmetic Comply gleicht Handelsnamen und Mischungen automatisch mit ihren INCI-Namen und CAS-Nummern ab, schlüsselt jede Mischung in ihre echten Bestandteile auf und führt die Prozentangaben konsequent weiter, sodass niemand rätseln muss, was ein Lieferantendokument nicht ausbuchstabiert hat.

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