INCI-Namen & CAS-Nummern

Was eine CAS-Nummer ist und wo Anmeldungen sie wirklich brauchen

CAS-Nummern identifizieren Substanzen eindeutig, spielen bei kosmetischen Anmeldungen aber eine kleinere Rolle, als die meisten Hersteller annehmen.

Cosmetic Comply Team3 Min. Lesezeit

CAS-Nummern findet man auf Sicherheitsdatenblättern, Analysenzertifikaten von Lieferanten und manchmal direkt auf einem Fass Rohstoff aufgedruckt. Es ist verlockend, diese Zifferfolge als das zu behandeln, was die Anmeldung eigentlich braucht. Ist sie aber nicht, jedenfalls nicht direkt. Die Anmeldung braucht den INCI-Namen. Die CAS-Nummer bestätigt lediglich, dass der INCI-Name stimmt.

Was CAS eigentlich ist

CAS steht für Chemical Abstracts Service, und eine CAS-Nummer ist ein eindeutiger Registrierungsidentifikator, der einer bestimmten chemischen Substanz zugewiesen wird. Sie besteht aus Ziffernblöcken, etwa 112-34-5, und existiert damit Chemiker, Regulierungsbehörden und Lieferanten weltweit eindeutig auf eine Substanz verweisen können, unabhängig davon, wie ein Hersteller sie gerade nennt.

INCI-Namen leisten etwas Ähnliches, aber für ein anderes Publikum. INCI (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) ist das standardisierte System zur Benennung kosmetischer Inhaltsstoffe auf Etiketten und in Anmeldungen. Wasser heißt Aqua. Glycerin heißt Glycerin. Die beiden Systeme überschneiden sich stark, sind aber nicht dieselbe Liste und lassen sich nicht in jedem Fall eins zu eins zuordnen.

Warum es zu Abweichungen kommt

Ein paar Situationen tauchen beim Erstellen einer Zutatenliste ständig auf:

  • Eine Substanz, mehrere CAS-Nummern. Manche Inhaltsstoffe wurden über die Jahrzehnte mehrfach registriert, oft weil eine Substanz zu unterschiedlichen Zeitpunkten anders hergestellt oder charakterisiert wurde. Es kann vorkommen, dass zwei Lieferantendokumente zwei verschiedene CAS-Nummern für funktional denselben INCI-Eintrag zeigen.
  • Botanische Extrakte ganz ohne CAS-Nummer. Ein Pflanzenextrakt ist ein komplexes Gemisch und kein einzelnes Molekül, deshalb hat er häufig gar keinen CAS-Registrierungseintrag. Einen gültigen INCI-Namen hat er trotzdem, und der gehört in die Anmeldung.
  • Handelsnamen, die die tatsächliche Identität verschleiern. Eine Rohstoffmischung, die unter einem Markennamen verkauft wird, ist keine eigenständige Anmeldeposition. Sie muss in ihre INCI-Bestandteile aufgeschlüsselt werden, und die CAS-Nummern der zugrunde liegenden Komponenten sind meist die beste Bestätigung, dass die Zuordnung stimmt.

Wo CAS tatsächlich nützlich ist

Auch wenn die CAS-Nummer nicht das primäre Anmeldefeld ist, hilft sie an einigen Stellen wirklich weiter:

  1. Lieferantenunterlagen gegenprüfen. Wenn ein Analysenzertifikat und ein Sicherheitsdatenblatt dieselbe CAS-Nummer aufführen, kann man sicher sein, dass beide dieselbe Substanz beschreiben, selbst wenn Handelsname oder Schreibweise des INCI-Namens leicht abweichen.
  2. Abschnitt 3 eines Sicherheitsdatenblatts lesen. Das ist der Zusammensetzungsabschnitt, und dort steht üblicherweise für jede Komponente die CAS-Nummer neben der Konzentration oder Konzentrationsspanne. Das ist oft der schnellste Weg, um herauszufinden, was tatsächlich in einer Mischung steckt.
  3. Mehrdeutige oder generische Bezeichnungen auflösen. Wenn ein Lieferant etwas nur "Konservierungsmischung A12" nennt, ohne weitere Angaben, sind die CAS-Nummern im Zusammensetzungsabschnitt des Sicherheitsdatenblatts meist der einzige echte Weg, um zu identifizieren, womit man arbeitet.

Ein kurzes Beispiel

Angenommen, man formuliert eine Lotion, und das Datenblatt des Konservierungsmittellieferanten führt eine Mischung unter einem Handelsnamen, mit einem Sicherheitsdatenblatt, das in Abschnitt 3 zwei Komponenten mit jeweils eigener CAS-Nummer und Prozentspanne zeigt. Man würde jede CAS-Nummer nehmen, den passenden INCI-Namen bestätigen und dann den Prozentanteil jeder Komponente innerhalb der Mischung mit dem Einsatzlevel der Mischung im eigenen Produkt multiplizieren. Das ergibt die tatsächliche Konzentration jedes einzelnen Inhaltsstoffs im fertigen Produkt, und genau diese Zahl zählt gegenüber jeder verbotenen oder eingeschränkten Liste.

Was tatsächlich in die Anmeldung gehört

Das Cosmetic Notification Form von Health Canada fragt nach Inhaltsstoffen anhand des INCI-Namens mit Konzentration oder Konzentrationsspanne, nicht anhand der CAS-Nummer. Dasselbe Muster gilt weitgehend auch bei anderen kosmetischen Regelwerken: Die Zutatenliste auf einem Etikett und in den meisten Meldesystemen basiert auf INCI. Die CAS-Nummer arbeitet im Hintergrund, in der eigenen Dokumentation, nicht auf dem Formular selbst.

Trotzdem dokumentieren

Auch wenn CAS-Nummern selten in der fertigen Anmeldung auftauchen, lohnt es sich, sie in den internen Formeldokumenten festzuhalten. Wenn ein Lieferant eine Mischung neu formuliert oder ein Inhaltsstoff irgendwann unter anderem Namen auffällt, lässt sich mit dokumentierten CAS-Nummern neben der INCI-Liste viel schneller klären, ob sich am Produkt tatsächlich etwas geändert hat oder nur an der Papierlage.

Genau dieses Zuordnungsproblem soll Cosmetic Comply lösen. Man gibt die Zutatenliste ein, und das Tool ordnet jeden Eintrag seinem INCI-Namen und seiner CAS-Nummer zu, schlüsselt Lieferantenmischungen in ihre realen Komponenten auf und führt die Prozentanteile durch, damit die Konzentration, die gegen die verbotene und eingeschränkte Liste geprüft wird, die tatsächliche ist, nicht eine Schätzung auf Basis eines Handelsnamens.

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